Quality matters –  Mit Proof of Work gegen Fakes im Internet?

Das Bitcoin SV Ökosystem brummt, Krise hin oder her: Nachdem das Genesis-Upgrade am 4. Februar 2020 Bitcoin wieder vollumfänglich hergestellt hat, erblicken fast täglich neue Projekte und Ideen das Licht der Welt. Letzte Woche bewies Xiaohui Lui, dass Bitcoin Script auch Token mit internem Status beherrscht, und das man externe Daten prüfen und nutzen kann. Diese Woche überrascht uns Boost mit dem Ansatz, digitale Inhalte mit Proof of Work nach Relevanz zu sortieren. Aber was soll das überhaupt alles bedeuten?

Das Prinzip ist relativ einfach: Ein Autor eines digitalen Inhalts, etwa eines Textes, eines Video oder eines Fotos, kann seinem Werk einen Nachweis anhängen, dass er eine bestimmte Menge an Rechenleistung verbraucht hat. Genau wie die Bitcoin Miner das tun, wenn sie Blöcke produzieren. Dieses Prinzip wird “Proof of Work” genannt.

Mit der geleisteten Arbeit signalisiert er potentiellen Interessenten, für wie relevant er seinen Inhalt hält. Je mehr Arbeit an ein digitales Werk “gehängt” wird, desto stärker das Signal an die Interessenten.

Und was soll das?

Proof of Work basiert auf der Theorie des “Handicap Prinzips”, das in der Biologie bekannt geworden ist: Manche Tiere haben Merkmale, die auf den ersten Blick überflüssig oder sogar hinderlich sind und ein Handicap für das Tier bedeuten. Beliebtes Beispiel ist der Pfau, dessen beeindruckender Federschwanz überdimensioniert aussieht, und die Flucht vor Angreifern erschwert. Das Handicap-Prinzip besagt, dass diese Merkmale besondere “Fitness” signalisieren sollen, weil das Tier trotz des Handicaps überlebt hat. Mit diesen scheinbar überflüssigen Eigenschaften “erkauft” sich das Tier Vorteile bei der Fortpflanzung, oder bewegt Angreifer dazu, sich andere Opfer zu suchen.


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So wie ein Pfau signalisiert ein Autor mit dem Proof of Work also eine besondere Fitness: Ein Selbstvertrauen darauf, dass sein Text besonders wertvoll ist. So wertvoll, dass er dafür auch seinen Computer eine Weile rechnen lässt, um einen Proof of Work zu generieren.

Wie funktioniert das?

Der Algorithmus, der zum Einsatz kommt, ist derselbe wie beim Schürfen, also dem Mining von Bitcoins. Die Rechner suchen einen bestimmten, mit dem SHA256-Verfahren erzeugten Hashwert. Der Miner, der ihn als erster findet, bekommt die Belohnung.

Beim “Boosten” von Inhalten  nimmt der Miner den entsprechenden Content –  hängt eine zufällig erzeugte Zahl an und errechnet den Hashwert der beiden zusammengefügten Teile.

Wenn der Hashwert kleiner ist als das Ziel (Target), hat er einen Proof-of-Work gefunden. Wenn nicht, ändert er den Zufallswert und hasht erneut … solange bis der Hashwert kleiner als das Target ist.

Je kleiner das Target, desto größer ist die geleistete Arbeit. Klar: Die Wahrscheinlichkeit, das Proof of Work zu finden, ist geringer, weshalb der Miner mehr Zufallswerte ausprobieren muss.

OK, aber was ist daran so aufregend?

Proof of Work könnte der Mechanismus sein, der es uns Konsumenten ermöglicht, gute Informationen von schlechten zu unterscheiden: Für einen Informationsanbieter ist es kostspielig, Proof of Work an seine Inhalte anzuhängen. Wenn die Qualität von den Konsumenten anders bewertet wird, riskiert er sein eingesetztes Geld. Wenn der Anbieter aber die Relevanz richtig einschätzt, kann er Aufmerksamkeit beim Zielpublikum generieren und mit seinem Inhalt Geld verdienen.

Vergleichen wir dies mit der heutigen Situation: Die Relevanz von Inhalten wird durch Algorithmen wie Pagerank (Google) beurteilt, die Anzahl der “likes” ist wichtig, die Reputation des Autors oder der Quelle spielt eine grosse Rolle. Allerdings kennt nur Google den Algorithmus für das Ranking. Neue Inhaltsanbieter haben es schwer, Sichtbarkeit und damit ein Publikum zu erlangen.

Anders bei PoW: Jeder, der bereit ist, die entsprechende Rechenleistung einzusetzen und zu riskieren, bekommt die zugehörige Sichtbarkeit, unabhängig vom Ruf oder algorithmischen Einschätzungen. Wir haben eine objektive Methode, um Inhalte zu bewerten. Bei strittigen Fragen können verschiedene Quellen, Autoren, Interessengruppen oder Organisationen ihre Inhalte in den PoW-Wettstreit gegeneinander antreten lassen. Statt mit digitalen Hinterhof-Boxkämpfen um die Wahrheit hätten wir es hier mit einem fairen Armdrücken zu tun.

Pow Market by 21e8. A Marketplace for Magic Numbers  https://pow.market

Einer der ersten, der PoW mit Inhalten kombiniert hat, war Mark Wilcox mit 21e8. Sein Ziel greift recht weit: Proof of Work soll komplette “information supply chains” organisieren. Kurz nach der Veröffentlichung begannen viele Leute, 21e8 auszuprobieren, und bald danach veröffentlichte Dean M. Little (Bitping) eine Software, die es ermöglicht, 21e8 Transaktionen auf den eigenen Computer zu minen.

Boost ist jetzt das erste Unternehmen, das PoW als Service anbietet: Der Anbieter bestimmt, für welchen Inhalt er PoW minen lassen will, und macht ein Angebot, wieviel er dafürbezahlt. Der Miner, in diesem Fall Matterpool, kann das Angebot annehmen und erhält als Belohnung den vom Anbieter festgelegten Betrag in BSV. Hinter Boost stecken bekannte Bitcoiner: Daniel Krawisz, Josh Petty (CEO von Twetch) und Attila Arros (Mattercloud).

In der Bitcoin SV Welt ist PoW im Moment ein großer Hype und wird von vielen ausprobiert. So kann man zum Beispiel im PoW Market Transaktionen selbst anbieten oder auf dem eigenen Computer minen. Die Entwicklung ist rasant: Baemail.me hat PoW bereits in den Posteingang integriert: man kann jetzt eine baemail verschicken und dem Empfänger die Wichtigkeit mit PoW signalisieren. Das BSV-Ökosystem ist extrem schnell dabei, sich auf neue Trends zu einigen und diese umzusetzen.

Vielleicht die Lösung aller Social Media-Probleme?

Proof of Work könnte also dazu führen, dass die Konsumenten für sie relevante Informationen einfacher aus der Informationsflut herausfiltern kann. Wäre es nicht schick, wenn man seinen Twetch-feed sortieren könnte nach der Gewichtung, die den Beiträgen gegeben wurde? Wenn man sich auf Social Media Plattformen durch weniger Spam kämpfen muss, weil sich für Spammer die Investition in PoW nicht lohnt?

Andererseits ist PoW keine Maßeinheit für die Qualität, jeder kann nach wie vor schreiben, filmen und aufnehmen was er will, es ist nur für den Autor riskanter, viel Geld in Unfug zu investieren. Nur weil jemand einen starken Computer zuhause hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er gute Texte schreibt. Google arbeitet seit Jahrzehnten daran, die verschiedensten Faktoren zu gewichten, um einzuschätzen, welche Webseiten für die User am relevantesten sind. Vielleicht kann Proof of Work allein diese Menge an Faktoren nicht ersetzen. Aber es könnte sie ergänzen – und sicherlich Missbrauch durch SEO-Hacker und Spammer unterbinden.

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Ob das alles so funktioniert, wie es sich viele in der BSV-Szene ausmalen, steht also in den Sternen, der Ansatz ist allerdings  vielversprechend und hat großes Potential. Google sollte sich also warm anziehen!


Artwork: Daniel Krawisz


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