2020/1: Genesis, Seeds und Ecat.Media

Herzlich willkommen zum ersten Metanetweekly-Newsletter im Jahr 2020. Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das anstehende Genesis-Upgrade, das nun finalisiert wurde. Aber wir informieren auch über neue Anwendungen wie Ecat.Media, den Gebührenmarkt auf Bitcoin SV und eine Debatte zum Wallet-Backup durch Seeds. Außerdem findet ihr einen Jahresrückblick der besonderen Art. Viel Vergnügen!

1. Genesis: Die Software für das Mega-Update steht
2. Ecat.Media geht in die Beta-Phase
3. Squire ist jetzt Taal – und senkt die Transaktionsgebühren
4. Electrum SV: Aufregung um Seeds
5. Robin Kohnze bekommt “Satoshi Nakamoto Stipendium”
6. Der Meme-Jahresrückblick bei OhMySatoshi
7. Vier Bitcoin SV Events im Februar in Berlin

Genesis: Die Software für das Mega-Update steht

Wenn es ein Ereignis gibt, dem die Bitcoin-SV-Community mit großer Vorfreude entgegenblickt, dann ist es das Genesis Upgrade. Dieses soll den ursprünglichen Bitcoin, wie er von Satoshi Nakamoto anvisiert wurde, wieder herstellen.

Das Genesis-Upgrade entfernt so gut wie alle harten Limits aus dem Protokoll. Es gibt weder ein Limit für die Größe der Blocke, noch für die Größe der Skripte in einer Transaktion. Für weite Kreise der Krypto-Szene, die über die Jahre hin gelernt haben, nicht die Stärken, sondern die Schwächen von Bitcoin zu sehen, ist das Upgrade angesichts der Umfang der Änderungen der nackte Wahnsinn. Sollte nach erfolgreichem Upgrade längerfristig massives Volumen auf Bitcoin abgewickelt werden, ist der Beweis erbracht, dass Bitcoin skalieren kann.

Nun hat nChain die finale Version des Genesis-Nodes veröffentlicht: “Die Bitcoin SV Node-Software hat nun das Stadium des Code-Freezes erreicht. Es folgt eine interne Diskussion, und wir erwarten, am Dienstag, den 14. Januar 2020, eine stabile Version zu veröffentlichen. Danach sollte jeder, der einen Bitcoin SV Node betreibt, schleunigst upgraden, da wir die Aktivierung von Genesis am 4. Februar 2020 erwarten.”

Dem finalen Release ging eine erste Spezifikation voraus, die im Dezember 2019 veröffentlicht wurde, um das Feedback des Ökosystems einzuholen. Das Ergebnis waren einige kleine oder größere Änderungen und Bugfixes, die in die Software eingingen. Heute wurde die finale Spezifikation veröffentlicht, die Würfel sind also gefallen. (https://bitcoinsv.io/genesis-hard-fork/ )

Ein besonderer Aufreger war es, als niemand geringeres als Gregory Maxwell höchstpersönlich ein Problem in Genesis öffentlich machte. Maxwell ist Mitgründer der kontroversen Bitcoin-Firma Blockstream, die weithin im Ruf steht, die Bitcoin-Entwicklung erheblich beeinflusst zu haben, um den Bedarf für ihr eigenes Produkt, eine Sidechain, zu erhöhen. Maxwell arbeitet nicht mehr bei Blockstream. Stattdessen verbringt er einen großen Teil seiner Zeit damit, mit diversen Sockenpuppen gegen Craig Wright zu stänkern.

Auf reddit hat er jedoch einen validen Angriff beschrieben. Da Bitcoin SV auf der einen Seite nach Genesis keine neuen P2SH-Adressen mehr erlaubt, während alte P2SH-Adressen weiterhin gültig sind, und auf der anderen Seite den ursprünglichen, durch die Bitcoin-Cash-Fork geänderten, Signaturalgorithmus wieder einführen wollte, war es theoretisch möglich, dass Miner durch bestimmte Operationen Coins stehlen, die auch als BTC in P2SH-Adressen liegen. Der genaue Hergang ist ziemlich komplex.

nChain hat das Problem gelöst, indem neue P2SH-Transaktionen nicht länger nur auf der Node-Ebene verboten werden, sondern durch das Protokoll. Damit ist das Problem entschärft.

Allerdings scheint es unter den Minern und anderen Akteuren weiterhin Bedenken gegeben zu haben, den ursprünglichen Signatur-Algorithmus von Bitcoin wieder zu erlauben. Vermutlich, weil dies sogenannten Replay-Angriffe zulässt und generell zu Konfusion führen kann, weil Transaktionen, die für BTC geschrieben werden, nun auch für BSV gültig sein können. Daher wurde diese Wiedererlaubnis fürs Erste wieder aus Genesis entfernt.

Mit dem nun bald finalisierten Code steht dem Genesis-Upgrade nichts weiter im Wege. Wir sind darauf extrem gespannt.

Ecat.Media geht in die Beta-Phase

Ein grundsätzliches Problem, wenn man Daten auf der Blockchain speichert, ist die Frage, ob sie verschlüsselt oder unverschlüsselt sind. Sind sie unverschlüsselt, kann jeder sie lesen; sind sie verschlüsselt, kann nur derjenige, der den Schlüssel hat, sie lesen. Doch was, wenn jemand den Schlüssel weitergibt? Da die Daten unlöschbar sind, hat der Besitzer der Daten keine Möglichkeit mehr, anderen den Zugang zu verwehren.

Ecat.Media entwickelt dafür eine Lösung, die am 30. Dezember in die Beta-Phase gegangen ist. Ecat gibt Autoren die Möglichkeit, Content zu publizieren, “aber dennoch die vollen Rechte daran zu behalten.” Ecat löst das Problem, in dem zwei Schlüssel für die Entschlüsselung des Contents benötigt werden – einer vom User, und einer vom Besitzer. Der Autor kann nun Leseschlüssel verteilen, die nur eine bestimmte Zeit gelten oder nur eine bestimmte Anzahl an Lesezugriffen gewähren. Ein Tokenisierungs-System erlaubt es, die Schlüssel auch als Token zu vergeben.

Noch ist Ecat.Media nicht öffentlich. Die Betaphase lief aber an, und die ersten Beispiele dafür, wie Daten onchain so verschlüsselt sind, dass Leser nur einen einmaligen Zugriff auf sie haben, funktionieren wunderbar. Daher kann man sich darauf freuen, dass Ecat.Media im Lauf dieses Jahres offiziell live gehen wird.

Squire ist jetzt Taal – und senkt die Gebühren

Es ist nicht ganz trivial, die Übersicht über die Namen der Firmen hinter den Minern des CoinGeek-Pools zu behalten. Zunächst wurde aus CoinGeek Squire – bzw. wurde CoinGeek an Squire ganz oder teilweise verkauft – und Ende 2019 wurde Squire dann zu Taal.

Dieses Rebranding sollte, so die Pressemitteilung, “den Fokus des Unternehmens auf ein diversifiziertes Geschäftsmodell und seine Vision der Zukunft des Minings hervorheben.” Nun gibt es weitere Neuigkeiten von Taal: die Mining-Firma nimmt am derzeit entstehenden Markt für Transaktionsgebühren teil.

Während Bitcoin Core (BTC) einen Gebührenmarkt anstrebt, bei dem eine zentralplanerisch verordnete Produktionsquote für die Miner die Preise für Transaktionen nach oben reguliert, lässt Bitcoin SV als erster Coin überhaupt den Markt der Miner wirklich über die Preise entscheiden. Das Resultat ist, wie so oft am Markt, dass die Preise sinken.

Nachdem bereits MemPool begonnen hat, mit Weather SV zu kooperieren, um Transaktionen günstiger in die Blöcke zu bringen, zieht nun Taal nach: Die Firma wird, so eine weitere Pressemitteilung, “die Gebühr, um Transaktionen zu akzeptieren, von 1 Satoshi / Byte auf 0,5 Satoshi / Byte senken.” Den Grund dafür erklärt Joseph Chin, Chief Mining Officer (CMO) von Taal: Es sei eine “kurzfristige Politik, um langfristig Wachstum und Anwendungen mit einem hohen Transaktionsvolumen auf der Bitcoin SV Blockchain zu unterstützen.” Dieser Schritt sei notwendig, “um ein hohes Transaktionsvolumen zu erzeugen und insgesamt mehr Gebühren einzunehmen, um die Blockchain auch in den kommenden Jahren sicher und profitabel zu betreiben.”

Ob der Plan für die Miner aufgeht, wird sich noch zeigen. Die User von Bitcoin SV profitieren schon jetzt von den noch geringeren Transaktionsgebühren.

Electrum SV: Aufregung um Seeds

Wer schon einmal eine Bitcoin-Wallet verwendet hat, wird die Prozedur kennen: Man notiert eine sogenannten Seed – eine Folge vin 12 bis 24 zufälligen Wörtern – und hat mit dieser ein Backup, durch das man die in der Wallet gespeicherten Coins unter allen Umständen wieder herstellen kann. Seeds wirken wie Magie, sind aber harte Mathematik.

Nachdem bereits die BSV-Wallet Handcash Abschied von dem Konzept genommen hat, dem User das Backup durch die volle Seed anzubieten, denkt nun Roger Taylor, der Entwickler von Electrum SV, über einen ähnlichen Schritt nach.

“Ich kam zu der Überzeugung,” notiert er, “dass die Erwartung, dass Seeds eine Wallet nur mit der Blockchain und den Seed-Wörtern wieder herstellen können, ein übriggebliebener Irrtum von Bitcoin Core ist.” In Zukunft werden Wallets, so Taylor, nicht länger Adressen sehen, Wallets sollen sich davor schützen, unerwünschte Zahlungen zu erhalten, und es wird neue Features geben, wie reine Multisig- oder Paymail-Transaktionen. Solche Wallets werden nicht länger eine einfache Abfolge von Zahlungen sein, sondern komplexe Strukturen und Metadaten erhalten. Diese Wallet werden, so Roger, vermutlich nicht länger mit Seeds zu bergen sein.

Sein Beitrag hat eine etwas hitzige Diskussion ausgelöst. Die meisten Bitcoin-User lieben Seeds, und wenn Handcash neue Wege geht, ist das etwas anderes, als wenn der alte und wichtige Dampfer Electrum dies tut. Nachdem er von der Szene kritisiert wurde, legte Roger noch einmal nach:

“Die Wiederherstellung von Wallets durch Seeds funktioniert nicht wirklich,” schreibt er, “es wirkt nur so, als würde es funktionieren.” Solange man nur das tut, was Bitcoin Core macht, könne man diesen Anschein aufrechterhalten. “Aber wir sind bei Bitcoin SV, und das mit einem Grund. Wir wollen mehr machen als bloß simple Zahlungen.” Es gibt offensichtliche Fälle – R-Puzzles, PayMail, dynamische Ableitungen – und viele, die noch kaum oder gar nicht bekannt sind. Da Zahlungen damit schwieriger vorherzusagen sind, funktionieren Seeds nicht mehr.

Roger Taylor hat ein Argument: Seeds können die Innovationsfähigkeit von Wallets hemmen, und eventuell wird es Zeit, über andere Methoden nachzudenken. Solange die neuen Arten, eine Wallet zu benutzen, aber noch nicht auf den Markt sind, und solange es nicht bewiesen ist, dass sie einen Mehrwert schaffen und einen Bedarf befriedigen, wäre eine Abkehr von Seeds aber vor allem eines: Eine Beeinträchtigung der User-Erfahrung, die Bitcoin-SV-Coins ein Feature nimmt, das weithin gebräuchlich und geschätzt ist. Es würde Bitcoin SV zu einer schlechteren Kryptowährung machen.

Robin Kohze bekommt das erste “Satoshi Nakamoto Stipendium”

Die Bitcoin Association, ein globaler Verband des Bitcoin-SV-Ökosystems, hat kürzlich das erste “Satoshi Nakamoto Stipendium” vergeben. Das Programm soll helfen, “das Studium und die technologische Entwicklung von realen Blockchain-Anwendungen” zu unterstützen.

Der erste solcherart geförderte Student ist Robin Kohze, ein Doktorand in der Genforschung an der Cambridge Universität. Er hat mit seinem “HIVE”-Protokoll bereits den zweiten Platz beim letzten Hackathon der Bitcoin Association gewonnen. HIVE soll “die Medienlandschaft herausfordern, indem es, von wissenschaftlichen Molekulardynamiken inspiriert, ein Anreiz-System schafft dem Individuen auf der ganzen Welt Informationen hinzufügen.” Es wird “Content-Nodes” geben, die die Informationen beinhalten und mit anderen Nodes verknüpfen. “Die daraus resultierende Datenbank des Netzwerkes ist direkt auf der Bitcoin-SV-Blockchain gespeichert, um ein großes Maß an Interoperabilität und Transparenz zu gewährleisten.”

Dank des Satoshi Nakamoto Stipendiums kann Kohze sich nun darauf konzentrieren, HIVE zum Abschluss zu bringen.

Der Meme-Jahresrückblick bei OhMySatoshi

Nichts sagt mehr über das vergangene Jahr aus, als die Memes, die im Netz viral gingen. Die Bitcoin- und Kryptoszene liebt ihres Memes, die auf Twitter und anderen sozialen Medien zelebriert werden.

Unser Lieblingsmeme war in diesem Jahr der Gymfriend, der Arnold Schwarzenegger der Memes, der gegen Ende des Jahres kam, sah und siegte. Aber er war längst nicht das einzige gute Meme.

Auf dem memetischen Jahresrückblick von OhMySatoshi könnt ihr noch einmal in die Memes des vergangenen Jahres abtauchen.

 

——— SAVE THE DATE ———

Gleich vier Events stehen im Februar bei B2029 in Berlin an:

4. Februar: Genesis Upgrade Party
13. Februar: Metanet Techtalk #4
24.–27. Februar:  Bitcoin SV Coworking Days
28. Februar – 1. März: Hello Metanet-Workshop #3

Mehr infos auf B2029.org/events

 

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