2019/06: Monopoly mit Bitcoin SV, die Abschaffung von P2SH und viele neue Apps für Onchain-Daten

Herzlich willkommen zum sechsten MetanetWeekly-Newsletter. Die Bitcoin-SV-Entwickler lassen uns keine Ruhe und warten in dieser Woche mit fürchterlich vielen Neuigkeiten auf, die wir Stück für Stück vorstellen. Wir hoffen, Sie haben ein wenig Zeit zum Lesen mitgebracht.

Inhalt:
  1. Zahlen und Fakten
  2. BSV Run – Monopoly mit Bitcoin SV
  3. Codugh: Mach’ deine API zu Geld
  4. ShowPay – ein BSV-Kassensystem für den Einzelhandel
  5. Loggeru: Dateiänderungen auf der Blockchain tracken
  6. Opassum: Ein Onchain-Passwort-Manager
  7. BitDiary: Eine neue Art, Onchain zu bloggen
  8. SatoshiMaps.com: Onchain-Marker auf der Weltkarte
  9. BitcoinSV für Python
  10. ElectrumSV wird P2SH-Transaktionen abschaffen

Zahlen und Fakten

Wir beginnen mit der wichtigsten Zahl von Bitcoin SV: Dem Transaktionsaufkommen. Das lag in dieser Woche bei 350.000 bis 450.000 Transaktion am Tag und war damit erneut kontinuierlich höher als auf Bitcoin (BTC). Damit etabliert sich Bitcoin SV als die Bitcoin-Variante mit den meisten Transaktionen.

Die Anzahl der täglichen Transaktionen auf BSV (rot), BTC (gelb) und BCH (grün). Quelle: Coin.Dance

Wenn man sich allerdings die Gebühren anschaut, hat Bitcoin SV noch einiges aufzuholen. Denn der Anspruch von Bitcoin SV ist es, dass die Miner in Zukunft durch die Transaktionsgebühren ebenso viel verdienen, wie derzeit durch den Block-Reward, der über den Lauf der Zeit abnimmt.

In dieser Metrik hat Bitcoin SV zwar bereits Bitcoin Cash überholt, ist aber noch relativ weit von Bitcoin Core (BTC) entfernt. Der Ansatz von Bitcoin Core ist es, mit einer Produktionsquote der Miner die Gebühren künstlich hoch zu halten, während Bitcoin SV darauf setzt, dass die Miner mehr verdienen werden, wenn sie ihre Produktionsrate selbst bestimmen können.

Das Verhältnis der Gebühren zu den Block Rewards. Quelle: ebenfalls coin.dance.

Woher aber entspringen die täglichen Transaktionen? Wir werfen einen Blick auf die Trends:

Erstaunlicherweise findet man WeatherSV nicht einmal mehr unter den Top-5-Apps für Bitcoin SV. Dies dürfte dem Spott, BSV sei eine “Weather-Chain” die Substanz entziehen.

Allerdings ist WeatherSV nicht nur deswegen abgerutscht, weil andere Apps ins Spiel eintreten. Das Transaktionsvolumen von WeatherSV ist erheblich gesunken, von zeitweise gut 100.000 am Tag auf nun weniger als 20.000. Der Grund könnte entweder darin liegen, dass viele Wetter-Channels nicht aufgefüllt wurden – oder darin, dass das Gebührenabkommen, das WeatherSV mit MemPool geschlossen hat (siehe Newsletter 2019/2), sich nun dadurch rächt, dass WeatherSV zwar günstigere Transaktionen erhält, aber nur weniger Durchsatz am Tag erreicht.

An der Spitze hält sich Preev.pro schon seit einigen Wochen. Preev ermöglicht es, Börsendaten über die Kurse von Kryptowährungen auf die Blocckhain zu laden. Auf Preev folgt ForBSV, über das wir bereits im Newsletter 2019/5 berichtet haben. ForBSV ist eine Art chinesisches City-Twitter; was genau dort geschieht, ist für Außenstehende schwer nachvollziehbarer. Klarer beschreibbar ist BlueSV auf dem dritten Rang: Diese App lädt die Luftverschmutzungswerte chinesischer Städte auf die Blockchain, um so zu verhindern, dass diese Werte rückwirkend durch die Regierung manipuliert werden. Mehr über BlueSV erfahrt ihr im Newsletter 2019/1. Meta stellt das Metanet-Protokoll dar und meint den Upload von Webseiten oder ähnlichem. BSVRUN schließlich ist eine erst vor wenigen Tagen erschienenen App, mit der wir die Neuigkeiten im Metanetweekly-Newsletter nun beginnen:

Gaming

BSV Run – Monopoly mit Bitcoin SV

Vor kurzem ging BSV Run an den Start. Das ist ein Spiel für den Browser, das im Prinzip wie Monopoly ist: Man würfelt, die Figur rückt vor, sie kommt an Gebäuden an, und dort bezahlt man entweder Miete oder kauft das Gebäude. Benannt sind die Gebäude nach Bitcoin-Unternehmen, es gibt etwa F2Pool, BitPay, BitcoinSV.io und so weiter.

Anders als Monopoly spielt man BSV Run mit echtem Geld – mit Bitcoin SV. Jede Aktion – ein Würfelwurf, der Kauf eines Gebäudes – kostet etwas. Bezahlt wird dabei mit MoneyButton.

Das schöne an BSV Run ist, dass man dabei auch Geld verdienen kann: Immer dann, wenn jemand vor dem Gebäude, das man gekauft hat, parkt, erhält man einen kleinen Betrag. Größer wird der Betrag, wenn einem jemand das Gebäude abkauft.

Natürlich sollte man sich dabei immer vor Augen halten, dass es sich um ein Glücksspiel handelt – und dass in den meisten Fällen nicht der Spieler gewinnt, sondern die Bank. Aber Spaß macht es dennoch.

Zahlungssysteme

Codugh: Mach’ deine API zu Geld

Es gibt Tausende von APIs im Internet: Automatische Schnittstellen, bei denen man Daten abholen oder Operationen einleiten kann. So gibt es APIs für Börsendaten, für Wetterdaten, für Userabfragen, für Nachrichten-Feeds – für eigentlich alles, was man sich vorstellen kann.

Oft ist es schwierig, diese APIs zu Geld zu machen. Sie sind zwar extrem nützlich, doch weil sie nicht auf der Oberfläche der Webseite aufgerufen werden, sondern im Backend, also von Computer zu Computer, ist kein Mensch im Spiel, an den man Werbung ausstrahlen kann.

Codugh, das Gewinner-Team des zweiten BSV Hackathons, baut dafür derzeit eine Lösung: Mit dem Tool können Entwickler ihre APIs in Echtzeit monetarisieren. Codugh ist “ein offener Marktplatz, der es Entwicklern erlaubt, APIs zu benutzen und dafür zu bezahlen.”

Mit Sicherheit dürfte dies für Entwickler ein großer und auch schwieriger Schritt sein. Schließlich sind sie, ebenso wie die “zivilen” Internetuser, daran gewöhnt, dass es alles umsonst gibt. Aber auf der anderen Seite könnten APIs, für die man Mikro-Beträge bezahlt, schlicht einen besseren und stabileren Service bieten.

Codugh geht nun dieses Unternehmen an – und ist vor kurzem in die Beta-Phase gestartet. Wir werden also bald herausfinden, ob solche Geschäftsmodelle in der Lage sind, sich durchzusetzen.

ShowPay – ein BSV-Kassensystem für den Einzelhandel

Wenn wir ehrlich sind, ist die Händler-Akzeptanz von BSV eher bescheiden. Nachdem sich BitPay entschieden hat, auf die Seite von BCH zu springen, bleiben nur wenige Akzeptanzstellen für Bitcoin SV übrig.

Eventuell könnte ShowPay dies ändern. Es handelt sich um ein “globales Zahlungssystem für Kryptowährungen.” ShowPay bietet den Händlern eine kostenlose POS (Point-of-Sale, also ein Terminal) sowie eine Wallet an. Mit ShowPay können Händler viele Kryptowährungen akzeptieren, neben BSV auch BTC und wohl auch Ethereum und Bitcoin Cash.

Sunny Fung erklärt ShowPay erstmals auf dem Bitcoin Association Pitch Day in Seoul, South Korea: Das Ziel sei es, BSV zu einem globalen Bargeld für den Alltag zu machen. Die Akzeptanz an der Ladentheke und den POS-Systemen sei dafür der Schlüssel.

Die Informationen über ShowPay sind insgesamt ein wenig dünn. Da auf der Seite aber nur eine BSV-Wallet zu sehen ist, spekulieren wir mal, dass ShowPay sämtliche Transaktionen auf der BSV-Blockchain abwickelt, während andere Währungen zu Brückenwährungen werden, die über Transaktionen in BSV gewechselt werden.

Daten onchain

Loggeru: Dateiänderungen auf der Blockchain tracken

Eines der Probleme, das Sicherheitsexperten oft mit Hackern haben, ist, dass sie die Log-Dateien löschen, sobald sie in ein System gelangt sind. So kann niemand mehr nachvollziehen, dass sie eingebrochen sind.

Loggeru möchte hier dank Bitcoin SV Abhilfe schaffen. Das Programm zeichnet es auf, wenn sich jemand per SSH Zugang zum Server verschafft, beobachtet erfolgreiche und erfolglose Versuche, wichtige Daten zu lesen, notiert die MAC-Adressen von öffentlichen WLan-Usern und kann auch POS-Transaktionen in Unternehmen aufzeichnen, wenn man befürchtet, dass die Mitarbeiter die Belege fälschen.

Da alles, was über Loggeru gespeichert wird, auf der Blockchain liegt, ist es unveränderbar. Dies könnte eine der sinnvollen Blockchain-Anwendungen sein, bei denen nicht Massen an Daten, aber die wichtigen, sensiblen Daten onchain gebracht werden, bei denen es wichtig ist, Manipulationen zu verhindern.

Ein solches Werkzeug ist sicherlich nicht für jeden User notwendig. Aber Unternehmen, bei denen Sicherheit wichtig ist, könnten durchaus Verwendung für Loggeru finden.

Opassum: Ein Onchain-Passwort-Manager

Was gibt es wichtigeres als Passwörter? Für die digitalen Menschen wird das Verwahren von Passwörtern mehr und mehr zur Herausforderung, da die Fortschritte im Passwort-Knacken es bei wichtigen Anwendungen notwendig machen, immer längere und zufälligere Passwörter zu benutzen.

Opassum hilft dabei, indem es Passwörter verschlüsselt onchain speichert. Die Grundlage dafür sind die Krypto-Operationen von MoneyButton.

BitDiary: Eine neue Art, Onchain zu bloggen

Der chinesische Entwickler MonkeyLord hat vor kurzem ein Update von BitDiary veröffntlicht. BitDiary ist eine “serverlose App, durch die man ein Tagebuch schreiben und teilen kann” – natürlich auf der Blockchain.

Mit dem Update kann man die Tagebucheinträge nun auch updaten, womit man sie auch als Notizbuch verwenden kann. Jeder Eintrag ist dabei eine Transaktion, und natürlich werden alte Transaktionen nicht von der Blockchain gelöscht. Aber die BitDiary-Software weiß, welche Transaktion die neuste Version darstellt.

Es gibt für BitDiary einen Lese- und einen Schreibschlüssel. Mit dem Schreibschlüssel kann man Einträge erstellen und Updaten, mit dem Leseschlüssel kann man sie lesen. Daher sind die Informationen, die man mit BitDiary auf die Blockchain lädt, potentiell privat. Dies macht das Updaten von Einträgen natürlich sehr viel effektiver.

Die neue Software ist als SDK (Software Development Kit) verfügbar und kann damit in jede Programmiersprache und Umgebung eingepasst werden. Ein Beispiel für BitDiary findet man auf der Code-Seite von MonkeyLord.

SatoshiMaps.com: Onchain-Marker auf der Weltkarte

Die Welt ist eine große Karte, und es ist gar nicht so schwierig, dies auf die Blockchain zu bringen. SatoshiMaps.com macht es einfach, sein Unternehmen onchain zu registrieren: Man zeichnet eine MoneyButton-Transaktion, und schon werden einige Informationen auf die Blockchain übertragen.

Wir haben es versucht und das MOBY Verlagshaus aus Nersingen bei Ulm auf der Karte von Satoshi markiert. Die Transaktion enthält die folgenden Daten im OP_Return-Feld: Den Namen, die Adressen, eine Beschreibung, die Akzeptanz von Bitcoin SV sowie Längen- und Breitengrad. Das dürfte genug sein, um einen permanenten Marker auf der Blockchain-Weltkarte zu setzen.

Wie so oft bei Daten auf der Blockchain ist die Frage: Wozu ist es gut? Kann man nicht einfach einen Eintrag bei Google machen? Wer Google mag, kann das natürlich machen. Aber ein Eintrag in einer Blockchain ist fester, unveränderlicher und, weil er auch etwas kostet, spamresistenter. Dazu erlaubt SatoshiMaps es auch, mit einer Transaktion eine Bewertung abzugeben. Da man für diese einen Mikro-Betrag bezahlen muss, dürfte hier auch zumindest ein besserer Spam-Schutz zu erreichen sein als bei anderen Modellen.

Entwicklung

BitcoinSV für Python

Jeder Entwickler hat seine eigene Lieblingssprache, in der er seine Programme am gernsten schreiben. Während in der BSV-Szene vor allem mit JavaScript gearbeitet wird, erntet PHP beispielsweise nur wenig Liebe. Eine der Programmiersprachen, die weithin wegen ihrer einfachen Bedien- und Lesbarkeit bei einer relativ guten Performance geschätzt wird, ist Python.

Es gibt schon lange eine Python-Library für Bitcoin (BTC). Aber um diese auch für Bitcoin SV zu verwenden, war ein wenig Arbeit notwendig, um im Code die richtigen Stellen zu finden, bei denen Änderungen notwendig sind. Diese Mühe hat der User AustEcon unternommen. In dieser Woche hat er nun bitsv vorgestellt – die einfachste Methode für Entwickler, um mit Bitcoin SV zu arbeiten.

Diejenigen unter euch, die gerne Python und Bitcoin benutzen, sollten sich die Library unbedingt anschauen. Sie erlaubt es, Schlüssel, Adressen und Transaktionen zu bilden, die Guthaben von Adressen zu prüfen, und die Transaktionen im Netzwerk zu verteilen. Mit anderen Worten: Sie machen alles, was eine BSV-Software können muss. Der Kontakt zum Netzwerk findet entweder über den eigenen Full Node statt, oder über die API eines Blockexplorers.

ElectrumSV wird P2SH-Transaktionen abschaffen

Roger Taylor von Electrum SV hat vor kurzem getwitter, was Electrum SV 1.2.5 ab dem 3. Februar 2020 nicht mehr in der Lage sein wird, P2SH-Transaktionen zu versenden.

Falls Sie nicht verstehen, was das bedeutet: Bitcoin-Transaktionen werden überwiegend entweder im P2PKH- oder P2SH-Format gebildet. P2PKH steht für “Pay-to-Public-Key-Hash”, was bedeutet, dass die Adresse eine Hash des öffentlichen Schlüssels ist, der vom privaten Schlüssel abgeleitet wird. Diese Adressen beginnen mit einer 1 und sind die typische Weise, um Bitcoins zu empfangen.

P2SH steht dagegen für “Pay-to-Script-Hash”. Dieses Verfahren ist komplexer. Man bezahlt hier nicht an eine Hash einer Adresse, sondern an die Hash eines Scripts. Um die Coins, die auf einer P2SH-Adresse liegen, auszugeben, muss der Sender das Script nachweisen, aus dem die Hash der Adresse gebildet wurde. P2SH-Adressen beginnen mit einer 3 und werden bei Bitcoin (BTC) entweder für Multisig- oder SegWit-Adressen gebildet. Entwickelt wurden sie etwa 2012 von vor allem Gavin Andresen und Luke Dashjr.

Die Roadmap von Bitcoin SV besagt nun, dass mit dem Genesis-Update P2SH abgeschafft werden soll. Zwar werden die Bitcoins, die auf P2SH-Adressen liegen, weiterhin ausgebbar sein, aber die Miner sollen keine Transaktionen auf P2SH-Adressen mehr zulassen.

Der Grund dafür ist in einem Post von Craig Wright zu finden. Diesem zufolge sind die beiden “schlimmsten Ideen (Krebsgeschwüre), die Bitcoin infiziert haben, Soft Forks und P2SH”. Warum genau Craig so gegen P2SH ist, erfährt man in verschiedenen Blogposts von ihm. So meint er, P2SH erlaube es, die Konsens-Regeln schleichend zu ändern, indem  man – wie es beispielsweise bei SegWit geschah – durch eine Softfork neue Konsensregeln in das Skript hinter der Hash einwanzt. “Es hilft (wie wir bei Core gesehen haben), eine Strategie von Softforks und verborgenen Transaktionsregeln auszuführen.” Denn die Skripte, die Coins in einer P2SH-Adresse ausgeben können, sind nicht sichtbar; das System von Bitcoin baut aber darauf, dass alle Regeln transparent und validierbar sind. “Daher können mit P2SH einfach Transaktionen, die nicht gültig sind, in die Blockchain eingeführt werden. Noch wichtiger, Transaktionen, die gültig sind, können dadurch ungültig gemacht werden.”

Ab Februar, wenn das Genesis-Update ansteht, werden P2SH-Transaktionen für Bitcoin SV also der Vergangenheit angehören.

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